Hasbulat will leben

Initiative „Hasbulat will leben“ Mittelpunktschule Hartenrod Katharina Rieger (Leiterin der Vorklasse) Hasbulat Hadaev ist seit seinem ersten Lebensjahr schwer nierenkrank und konnte in seinem
Heimatland Tschetschenien nicht ausreichend medizinisch versorgt werden. Um ihrem Jungen im Alter von sieben Jahren das Leben zu retten, sind seine Eltern mit ihm und seiner Schwester im Frühjahr 2010 nach Deutschland gekommen. Seitdem wird er vom Uniklinikum Marburg erfolgreich mit der erforderlichen medizinischen Ausstattung und Fachkompetenz betreut. Dank dieser Versorgung und spezieller Ernährung über eine Magensonde verbesserte sich sein Gesundheitszustand deutlich. Er konnte wieder laufen und war im Herbst 2011 zum ersten Mal in der Lage mit der Vorklasse von Hartenrod eine Schule zu besuchen und dort gleichaltrige Freunde
zu finden.
Im März 2011 erreichte die Familie Hadaev dann plötzlich ein Schreiben, in dem ihr die Abschiebung nach Polen angekündigt wurde, weil Polen im Rahmen der Dublin-II-Verordnung für
ihr Asylverfahren zuständig sei. Hasbulats Eltern, seiner Klassenlehrerin Frau Rieger und der Schule bereitete dies große Sorge, da mehr als fraglich war, ob Hasbulat in Polen auch wirklich die für ihn notwendige medizinische Versorgung erhalten würde, von der auf längere Sicht sein Überleben abhängt.
Angesichts dieser dramatischen Perspektive fasste sich seine Klassenlehrerin Frau Rieger ein Herz und startete an Ihrer Schule die Initiative „Hasbulat will leben!“, die mit einer Petition an den Deutschen Bundestag eine Aussetzung der Abschiebung erreichen wollte. Um der Petition mehr Gewicht zu verleihen wurde eine Unterschriftensammlung ins Leben gerufen.
Innerhalb weniger Wochen kamen so über Schüler, Lehrer und weitere Unterstützer auf Unterschriftenlisten aus ganz Deutschland mehr als 5100 Unterschriften zusammen. Hilfe erfuhr die Aktion auch von einer Hauptschulklasse, die sich mit den „Kleinen“ aus der Vorklasse nach verschiedenen gemeinsamen Projekte besonders verbunden fühlte.
Kurzentschlossen organisierten die Großen für Hasbulat einen Waffelverkauf in der Schule und zahlten den Erlös auf das Spendenkonto ein.
Eine Schülerin dieser Klasse verfasste sogar einen Brief an die Bundesregierung, in dem sie auf die besondere gesundheitliche Situation Hasbulats aufmerksam machte und darum bat Hasbulats Abschiebung auszusetzen.
Mitte Mai 2011 überreichte Frau Rieger zusammen mit Schülern der 10. Jahrgangstufe der Mittelpunktschule die gesammelten Unterschriften (insgesamt 3 Aktenordner) in Berlin offiziell an den Bundestagsabgeordneten Sören Bartol.
Eine wesentliche Hürde nahm die Eingabe für Hasbulat dann Anfang Juni, als die Beratung im Petitionsauschuss zu einer positiven Einschätzung kam. Besonders bemerkenswert war dabei, dass der Beschluss fraktionsübergreifend einstimmig zu der höchstmöglichen Bewertung „zur Berücksichtigung an die Bundesregierung“ kam.
Nach Aussage der stellvertretenden Sprecherin des Ausschusses Sonja Steffen war neben der, im Falle einer Abschiebung für Hasbulat, lebensbedrohlich unsicheren medizinischen Perspektive auch die beeindruckende Zahl an Unterschriften einer der Gründe für die positive Entscheidung.
Am 30. Juni nahm der Deutsche Bundestag die Beschlussempfehlung des Petitionsauschusses
einstimmig an!
(Eine Sorge weniger – Eltern Hasbulat)
Hasbulat darf somit vorerst in Deutschland bleiben und die behandelnden Ärzte haben nun grünes Licht für die Einleitung der dringend notwendigen Behandlungen und Operationen, von denen langfristig Hasbulats Leben abhängt.

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11. – 14. Juni 2017 | Dresden